Ansprechpartnerin


Corinna Heinrich

Suche



Pressemitteilung 19. Juni 2018


Ultraschall: Bis zu 7 unnötige Biopsien, um einen Brustkrebs zu finden

 

Berlin, 19.06.2018 | Kein wissenschaftlicher Beweis für den Nutzen des Brustultraschalls als Krebsfrüherkennung erbracht. Mammographie-Screening ist die einzige als wirksam belegte Brustkrebsfrüherkennung für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren.

 

Krebsfrüherkennung muss zur Verminderung der Brustkrebssterblichkeit beitragen. Dies ist für das Mammographie-Screening in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.

Brust-Ultraschall ist die wichtigste ergänzende Untersuchungsmethode in der Abklärung von auffälligen Mammographie-Befunden in der Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen. Umgekehrt ist bisher wissenschaftlich nicht belegt, dass ein regelmäßiger alleiniger Brust-Ultraschall einen vergleichbar hohen Stellenwert wie das Mammographie-Screening besitzt. Fachsprachlich reden wir von Evidenz-basierter Medizin, wenn es um den wissenschaftlichen Beweis der Wirksamkeit eines Verfahrens geht. Auf diese Beweise stützt sich das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening-Programm.

Die Treffsicherheit von Mammographie und Brustultraschall wird von der Drüsenkörperdichte beeinflusst. In sehr dichtem Drüsengewebe kann die Treffsicherheit der Mammographie eingeschränkt sein. In einigen Fällen kann der Ultraschall Vorteile bieten, bei unregelmäßig dichtem Gewebe oft nicht.

Der Anteil der Frauen mit sehr hoher Drüsenkörperdichte wird oft überschätzt: Bei Frauen nach den Wechseljahren beträgt der Anteil der hohen Drüsenkörperdichte der Kategorie 4 nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitssystem (IQWiG) aktuell 3 %.

Im Mammographie-Screening-Programm legen wir sehr großen Wert auf die Darstellung von Vorteilen und möglichen Nachteilen. Bei einer Untersuchung, die bundesweit 10 Millionen Frauen angeboten wird, muss der Nutzen einen möglichen Schaden überwiegen.

Unerwünschte Nebenwirkungen wie Überdiagnosen und Falsch-Positive Fälle sind nicht auf das Mammographie-Screening-Programm beschränkt, sondern treten bei jeder Art von Früherkennungsuntersuchungen auf. Davon ist die Ultraschalluntersuchung der Brust nicht ausgenommen, auch diese ist nicht nebenwirkungsfrei. Eindrucksvoll verdeutlichen lässt sich dies bei Biopsien mit gutartigem Ergebnis. Diese werden als Falsch-Positive Biopsien bzw. unnötige Biopsien bezeichnet, denn der Verdacht auf einen bösartigen Befund wird nicht bestätigt.

Das Mammographie-Screening-Programm erzielt mehr Biopsien mit bösartigem Ergebnis als mit gutartigem Ergebnis. Beim Brustultraschall ist dieses Verhältnis sehr viel ungünstiger. Bis zu sieben unnötige Biopsien müssen durchgeführt werden, um einen Brustkrebs zu finden.

Wir sind uns der Verantwortung für die uns anvertrauten Frauen bewusst.  Jede Frau soll die ihr zustehenden, zielführenden Untersuchungen erhalten.

Um die Bedeutung eines qualitätsgesicherten Ultraschall-Screenings bei unauffälliger Mammographie wissenschaftlich zu prüfen, haben wir von Seiten des Mammographie-Screening-Programms mehrfach Forschungsanträge zur Finanzierung entsprechender Studien gestellt.

Wir hoffen, alsbald die Möglichkeit zu bekommen, um die derzeitigen Unklarheiten über die Wertigkeit der ergänzenden Ultraschalluntersuchung in der Brustkrebsfrüherkennung klären und vor allem den Frauen die ihnen zustehende Sicherheit geben zu können.

 

Literaturnachweise

 

Download als PDF

Publikationen

Jahresbericht Evaluation 2016

Jahresbericht Qualitätssicherung 2016

Bericht der Geschäftsleitung 2017

Jahresbericht Qualitätssicherung 2015

Jahresbericht Evaluation 2015

Bericht der Geschäftsleitung 2016

Jahresbericht Qualitätssicherung 2014

Jahresbericht Evaluation 2014

Implementation of the German Mammography Screening Program (German MSP) and First Results for Initial Examinations, 2005-2009

Jahresbericht Qualitätssicherung 2013

Jahresbericht Evaluation 2013

Mammo Report | Dezember 2015

Bericht der Geschäftsleitung 2015

Evaluationsbericht 2005-2012 – Ergebnis- und Prozessqualität im deutschen Mammographie-Screening-Programm

Jahresbericht Qualitätssicherung 2012

Jahresbericht Evaluation 2012

"Ungünstiges Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis des sys. Mammografie-Screenings? – Alte Zahlen, neue Bewertung – wie das Swiss Medical Board zu seinen Empfehlungen kommt" von Dr. Vanessa Kääb-Sanyal

"Mammografie-Screening-Programm – Brustkrebsentdeckungsrate und Überdiagnosen" von Dr. Vanessa Kääb-Sanyal

Mammo Report | Berichtszeitraum 2011

Programmbeschreibung

Evaluationsbericht 2011

Qualitätsbericht 2011

Videos zum Thema

Bildschirmfoto 2017-02-24 um 12.24.33

Thema Brustkrebs

Weitere Antworten rund um das Thema Brustkrebs wie zum Beispiel Risiken und Heilungschancen finden Sie hier. Prof. Dr. med. Katja Siegmann-Luz erklärt wie Brustkrebs entsteht, wie häufig die Krankheit in Deutschland vorkommt und wie die Heilungschancen aussehen.

Bildschirmfoto 2017-02-24 um 12.24.49

Brustkrebs – Risikofaktoren

Weitere Antworten zum Thema Risikofaktoren Brustkrebs finden Sie hierDr. med. Katja Siegmann-Luz erklärt inwiefern Alter, eine genetische Veranlagung oder andere Faktoren das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, beeinflussen. 

Brustkrebs Früherkennung Strahlenbelastung

Brustkrebs-Früherkennung und Strahlenbelastung

Im Mammographie-Screening-Programm wird die weibliche Brust geröntgt, um frühzeitig kleinste Tumoren zu entdecken. Einige Frauen verunsichert die Strahlenbelastung der Untersuchung. Dr. med. Michael Hirning, Radiologe, erläutert, warum der Nutzen der Mammographieuntersuchung das Risiko durch die Strahlenbelastung überwiegt.

Diagnosemethoden-Mammographie-Screening-Programm

Diagnosemethoden im Mammographie-Screening-Programm

In der Brustkrebs-Früherkennung kommen unterschiedliche Diagnostikverfahren zum Einsatz. Mammographie, Ultraschall und Magnetresonanztomographie – welche Methode ist die beste? Dr.Juliane Terpe, Radiologin, erklärt die verschiedenen Untersuchungsmethoden.

ttiTh-FEtBU.jpg

Falsch-positiver Befund und Überdiagnose im Mammographie-Screening-Programm

50 von 1000 untersuchten Frauen werden zur weiteren Abklärungsuntersuchung eingeladen. Nach der zweiten Untersuchung kann meist Entwarnung gegeben werde. Die Medizin spricht von einem falsch-positiven Befund.
Frau Dr. Karin Bock, Gynäkologin, erklärt außerdem warum sogenannte Überdiagnosen keine „falschen Diagnosen“ sind.

RlmoJ6kuCIM.jpg

Das Mammographie Screening

Informationsfilm Mammographie Screening Programm

Der Film bietet einen Einblick in das Mammographie-Screening-Programm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Es wird der Ablauf des Mammographie-Screenings gezeigt und durch Experten erläutert. Ergänzende Informationen zum Film finden Sie auch in der Broschüre „Mammographie-Screening. Früherkennung von Brustkrebs. Was Sie darüber wissen sollten“.